“Gus Van Sant über Last Days im Booklet des Soundtracks”

 

 

Wie kam Michael Pitt zu dem Film?
Gegen 1997 habe ich Mike Pitt kennen gelernt. Obwohl er noch etwas jung war, ähnelte er dem jungen Mann einer der Versionen von Last Days. Ich habe angefangen, ihn mir in der Rolle vorzustellen. Wir haben innerhalb von 6 Jahren darüber geredet. Wir sagten ununterbrochen: "Wir müssen den machen, wir werden oben drauf arbeiten".

Michael ist auch Musiker. Ist das auch ein maßgeblicher Faktor in Ihrer Entscheidung gewesen?
Das war wie ein Bonus, obwohl das keine nötige Voraussetzung war. Als ich ihn kennen gelernt habe, fing er an, Musik zu machen. Als wir schließlich anfingen, zu drehen, war er 23 Jahre und in der Eigenschaft als Musiker fortgeschritten. Das Lied, das er im Film singt, "Death To Birth", ist eines von denen, die er in der Zeit gesungen hat, als ich ihn kennen lernte.

Hat Mike wirklich all die Instrumente in der Szene im Salon, und in denen, wo er "Death to Birth" singt, gespielt?
Ja, sie sind alle live. Mike spielte in den beiden Szenen und er ist es, der sie geschrieben hat.

Der Film gibt sehr wenige Referenzen auf die Karriere von Blake, man weiß nicht sicher, dass er ein großer Star ist.
Michael verkörpert das, was Blake war, ein Musiker. Er muss nicht mehr sein.

Reden wir ein bisschen übers Casting. Insbesondere über Lukas Haas und Scott Green. Wie kamen sie zum Projekt?
Lukas kam zum Casting, das wir in Los Angeles organisiert hatten. Ich kannte ihn vorher. Scott ist ein alter Freund. Er war mein Assistent bei "Good Will Hunting" und spielte in "My Own Private Idaho" mit. Ich fand immer, dass er eine interessante Persönlichkeit ist. Viele Leute im Film sind Freunde.

Wie ist Thurston Moore von Sonic Youth der Ratgeber für die Musik geworden?
Ich brauchte jemandem, der das Musik-Milieu kennt. Ich hatte Thurston einige Male auf Partys in New York getroffen, und zwei Jahre, bevor wir den Film machten, habe ich ihn angerufen und ihn gefragt: "Würdest du dich darauf einlassen, Musik-Berater in unserem Film zu sein?"

Dieser sollte ein Allround-Berater sein, den wir in allen Fragen, die wir über Musik, das Material, die Gruppen etc. konsultieren könnten. Er wäre unser Garant für Authentizität, um zu vermeiden, dass wir uns lächerlich machen. Er hat eingewilligt und um ihn zu treffen, bin ich losgefahren mit Mike, der einen Song auf seiner Gitarre gespielt hat.
Thurston ist immer sehr positiv und konstruktiv gewesen. Als erstes hat er Bands vorgeschlagen – Wir versuchten, eine Band zu finden, die in der Szene auf der Fete spielt.
Dann realisierten wir, dass das nicht so wichtig sei, welche Gruppe, aber es wäre übertrieben, sagen wir die White Stripes zu nehmen. Blake soll einer Band zuhören, die fortgeschrittener ist. Also haben wir den besten Freund von Michael, Rodrigo, und seine Gruppe genommen.
Während des Drehs habe ich gedacht, dass man den Besuch einer Person, einer Art Manager hinzufügen sollte. Mike war am Wochenende mit Thurston Moore und Kim Gordon zu ihnen nach Massachusetts gefahren. Es kam durch ihn, dass ich mir wünschte, dass Kim im Film mitspielen würde. Wir haben ihr also die Rolle der Managerin angeboten.

Die Musik ist essentiell in dem Film, aber vielleicht nicht genauso wie man es sich vorgestellt hat für einen Film über einen Musiker.
Beim Fortschreiten der Dreharbeiten, habe ich nicht daran gedacht, viele Lieder in den Film zu nehmen. Wir haben konkrete Musik [eine Form der elektronischen Musik, die Ende der 40er Jahre aufgekommen ist, vielmehr natürliche Geräusche als Instrumente verwendend] eingesetzt in Elephant, eine Komposition von Hildegard Westerkamp, die wir hier wieder einsetzt haben.
Um die Musik auszuwählen lasse ich mich häufig von dem inspirieren, was ich beim schneiden höre, oder von dem, was ich während der Dreharbeiten im Radio höre. Bei "Good Will Hunting" ging mir Elliott Smith nicht aus dem Kopf. In "Drugstore Cowboy" sind es Lieder, die ich in meinem Auto im Radio gehört habe.

Einen Abend nach den Dreharbeiten zu Last Days, habe ich im Radio "La Guerre" von den King Singers gehört. Das ist ein Stimmen-Quintett, das auf absurde Art und Weise singt, wie Mike das jetzt übernommen hat, wenn er spricht. Die Stimmen kreieren in dem Lied eine schallende Wirkung, die Kanonenschlägen und Pferdestärken ähneln. Das ist super. Ich habe es an den Anfang und ans Ende des Films platziert, nicht so wie die Stellen mit der Orgel, sondern eher wie etwas Unerwartetes.

Und der Song von Velvet Underground „Venus in Furs“?
In meinem Szenario gibt es immer einen Moment, wo eine der Persönlichkeiten auf dem Plattenspieler im Wohnzimmer Musik hört – das war für mich ein sehr amerikanisches Bild. Ich erinnere mich, dass ich als Kind meine Cousins dabei gesehen habe, wie sie Platten von Elvis im Wohnzimmer abgespielt haben. Das waren einige 45T, ein Kniff von Jugendlichen. Für die Szene, in der Scott eine Platte auflegt, musste ich einen Song aussuchen, den man vollständig hört. Ich habe begonnen, die Anfänge des Punks zu reflektieren und an die, die sie anhören könnten. Eines meiner Lieblingsstücke ist "Venus in Furs". Das ist ein bisschen das "I Wanna Hold Your Hand" des Punks.

 

Text Copyright by Three-headed Donkey
!!! Nicht ohne Erlaubnis nehmen !!!

Text translated by Inga

 

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