" Rock and reel "

Neue Filme über Brian Jones und Kurt Cobain nimmt Paul Morley zum Anlass durch den Müll vergangener Rockfilme zu wühlen, um festzustellen, was einen Hit ausmacht.

Paul Moreley
Das Rock Biopic liebt den gutaussehenden, frühen Tod - Michael Pitt in Last Days

Wenn Sie, Dr. Oliver Stone, nach rohem, blutigen Material suchen um ein klassiches Biopic zu produzieren, ist Leben und Sterben Kurt Cobain's perfekt. Vollgestopft mit dem Aufstieg und Fall, der Ambition und dem Niedergang, Sex und Drogen, Schusswaffen und Gitarrenriffs, Eitelkeit und Kotze, entfremdete Teenagerangst die sich in zu einem grotesken, überwältigenden MTV Ruhm wandelt - und die ganze wütende Geschichte kommt zum Höhepunkt indem sie ihr Gehirn brutal und wunderschön auf eine medien-manipulierte Wand aus Mythen, Martyrium und Verschwörung entlädt.

Zusätzlich - als Bonus - starb Cobain mit 27, - die magische Zahl, die Zahl der Todesbestie des Rocks, das Alter, in dem auch Hendrix, Jones, Joplin und Morrison starben, Sechziger-Jahre Anti-Helden, die in einem glamourösen Feuer aus Talent, Selbstmissbrauch, Narcismus und Hilflosigkeit verglühten und halfen die Regeln des Rock'N Roll Todes zu etablieren. (Nun da wir eine Periode der intensiven Betrachtung von Rockgeschichten mit ihrer vorgefertigten Dramatik und ihrem berauschenden Glamour betreten, wie viele Produzenten haben Schaum vorm Gesicht beim Gedanken an Paul Doherty's 27. Geburtstag nächstes Jahr?)

Das Rock Biopic liebt den gutaussehenden, frühen Tod, den reinen, schmutzigen Moment wenn Rock' n Roll Spass und Spiel Platz macht für den Nachhall von Ewigkeit und Unsterblichkeit. Es liebt den Flugzeugabsturz, die Selbstverstümmelung, den Selbstmord mit Schusswaffe, das Sich-am-Frühen-Morgen-Erhängen, die Drogenüberdosis, das Ertrinken, die Allgemeinheit des verschwendeten Lebens und des Opfers, sowie reichhaltige Möglichkeit eben all das in Rückblenden voll böser Omen und Schmerzlichkeit zu erfahren.

Das traditionelle Biopic ist auch eine Art überladenes Kostümdrama, das in zeitliche Details verliebt ist, sei es Buddy Holly's Brille oder Ike Turner's Karohosen, Elvis's Kotletten oder Ringo's Pony. Haarspaltereien können oft ein Biopic ruinieren, im besten Fall legen sie dem Kitsch noch eines drauf. Rock biopics von Sid und Nancy bis zu What's Love Got to Do With It? tendieren zum Perückenfilm mit variierenden Graden der Attitüde, aber es ist das schreckliche Haar, die schlüpfrigen Akzente und die furchtbaren Outfits an die man sich am besten erinnert.

Einer von Cobain's Biographen weigerte sich sein Buch verfilmen zu lassen, denn er befürchtete dass der resultierende Film einen aufstrebenden Mainstream-Jungschauspieler in entsetzlicher Perücke zeigen würde. Der ganze Film wäre dann diese Perücke geworden, das gepuderte Toupee das die ernsthaften Versuche eines langweiligen, aber aufrichtigen Schauspielers der das kaputte Charisma Cobain's durch eine Serie von übertriebener Ticks kommuniziert, abrundet.

Den richtigen Schauspieler zu bekommen der einen Rockstar spielt, ist eine problematische Wahl zwischen einem bekannten Schauspieler, der zuviel von sich als bekannter Person einbringt, oder einem unbekannten Schauspieler, der zuwenig einbringt. Stephen Woolley, der Regisseur des Brian Jones' Biopics, weist darauf hin dass wenn er Ewan oder Jude den zartbesaiteten, dandy-haften Stones Gründer spielen lässt, wir nur Ewan oder Jude sehen, aber nicht Jones.

Wenn ein unbekannter Schauspieler einen Rockstar spielt, scheint es so als würde der Wert, die Erfahrung und die Kraft des Stars, den sie darstellen, gedrückt. Joaquim Phoenix der Johnny Cash spielt, wird Probleme haben sich vom Imperator Commodus zu befreien, aber ein unbekannter Typ, der Cash spielt, würde uns mit seinem geringen Tiefgang nerven. Todd Haynes vermeidet in seinem kommenden Film über Dylan das Problem wer Dylan spielt indem er mehrere Schauspieler Dylan zu unterschiedlichen Zeitpunkten in seinem Leben darstellen lässt.

Eventuell wird aber ein Cobain gefunden, und es wird ein Stone-Film über seine Leben gemacht werden, ein vulgärer, exhibitionistischer Film der den Zuschauer mit Drogen, Schwanz und Traum, und der Art episodischen Dramas eindeckt, das trotz der intensiven Ebenen der Integrität einfach-schlüpfrig glänzt wie eine Seifenoper. Stone's Doors-Film war ein wortgewaltiger, ungeschickter Mix aus Seife und Oper, aus Klugem und Dummen, Spinal Tab ohne die Witze und die Torheiten. Sein Film war das beste Beispiel wie man die Rockhelden Geschichte versauen kann, indem man schnörkelige Details mit oberflächlichen Referenzen verknüpft.

So viel Geschichte muss man erzählen dass das Rock Biopic gewöhnlicherweise eine Serie klischeehafter, dünn-skizzierter Einzelteile wird: die Gründung einer Band, die frühen Schwierigkeiten, die Konzerte, Plattenverträge, Plattenaufnahmen, Auftritte haben, sich trennen, das Chaos, das traurige, ungeschickte, heroische, zermalmte Ende. Sogar Taylor Hackford's "Ray", das glatteste aller Biopic Kompositionen, mit einer von Jamie Foxx sehr selbst-bewussten Darstellung die zeitlich-bedingte Travestie und buttrige Abkürzungen auslässt, leidet unter der Notwendigkeit Erklärungen für diejenigen abzugeben, die nicht unbedingt eine Obsession mit Popmusik oder Popstars besitzen. Ray verschwendet seine ganze Zeit darauf den Lauf der Handlung zu etablieren und zusammenzufassen, und sicherzustellen, dass Ray Charles in einer der Zeit und der kulturellen Umgebung angepassten Weise altert, und damit wird jegliche Überraschung, jegliches Wundern, ausgeschaltet.

Die Cobain-Story könnte leicht das gelehrte Ratespiel aus Hackford's Annäherung entlehnen - die sensible Weitergabe der selektierten Information, penible Nachstellung der Zeitperiode, vorsichtige Begeisterung für soziale Strömungen - und das mit einem aufgewerteten Mittelgewichtsklasse Schauspieler der Cobain so auf den Punkt bringt wie Umstände und Medienbeinflussung ihn ans Kreuz gebracht haben.

Der Oliver-Stone Typ, der Hackford-Schauspieler, bemühen sich die Wahrheit zu erzählen, insoweit dass weitergegebene Weisheit und komprimierte Geschichte jegliche Art von Wahrheit sind. Es gäbe Cobain als kleiner Junge der sich mit einem angemessenen Maß an Rebellion, Entfernung und Groll von seiner Familie lossagt. Symbolische Signifikanz würde dem einen oder anderen popkulturellen Moment und der einen oder anderen sexuellen Selbstentdeckung angedichtet. Cobain würde in den Krieg geschickt, um traumwandlerisch den Kampf für das Gute des Alternativen und Unabhängigen gegen das Böse der Gesellschaft und der Konsumgesellschaft auszufechten, und man würde ihm die psychologischen Waffen und die Verletzlichkeit mitgeben, die ihn durch eine Serie kinogeeigneter Abenteuer zu einem sicheren Tod führen. Man würde den Weg aus der lokalen Obskurität zur internationalen Anerkennung liebevoll bearbeiten.

Er wäre Roadie in den 80ern für die Melvins, dann sähe man seine erste Band Fecal Matter. Die Namensgebung von Nirvana wäre wohl eine Szene oder zwei wert, der Plattenvertrag mit Sub Pop würde in die Geschichte verknüpft, sowie die Art und Weise in der Sonic Youth den Weg zur dunklen Seite des Geffen Imperiums für idealistische Gruppen geebnet hatten.

to be continued...

 

 

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Text translated by Leandra
(für 100%ige Exaktheit übernehmen wir keine Gewähr)

 

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